Dipl. psych. Helga Krüger-Kirn

Dr. phil. Dipl. Psych. Helga Krüger-Kirn
Psychologische Psychotherapeutin, Psychoanalytikerin für Kinder, Jugendliche und Erwachsene
Lehranalytikerin (DGPT)

Weibliche Identität und Mutterschaft.

In: Blickpunkt Beratung, Zeitschrift des Bundesverbandes kath. Ehe-, Familien- und Lebensberater e.V.

Biographische und gesellschaftliche Rollenvorstellungen beeinflussen unser Selbstbild als Frau und Mutter. In den westlichen Gesellschaften zählen Mutterschaft und Mutterliebe zu genuin weiblichen Eigenschaften, von denen die Sexualität abgespalten und die Gebärfähigkeit funktionalisiert wird.
Diese Spaltung spiegelt eine gesellschaftliche Bewertungspraxis wieder, in der die Interessen - und Bedürfnisseite der Frau weitestgehend unberücksichtigt bleibt.

Eine Erforschung der weiblichen Identitätsentwicklung hinsichtlich eigener Bedürfnisse und Absichten, Kompetenzen und Schwächen berührt den Tabubereich der weiblichen Körperlichkeit und Sexualität. In der gesellschaftlichen Tabuisierung des weiblichen Körpers entlang der Gleichung: Frau = Körper = Natur = Materie = manipulierbares Objekt kann Mutterschaft als schöpferischer Prozess der körperlichen und seelischen Selbstentfaltung nicht vorkommen.

Die psychotherapeutische Praxis zeigt, dass Frauen und Mädchen bis heute große Schwierigkeiten haben, ihren Körper als Ort des Begehrens und eigener Bedürfnisse zu besetzen. Parallel wird gerade der Körper von Frauen bevorzugt als Austragungsort seelischer Konflikte und ihrer Identitätssuche ausgewählt. Frauenspezifische Erkrankungen wie Migräne, Depression und Essstörungen stehen hiermit in engem Zusammenhang.

Entlang der psychosexuellen Entwicklungstheorien möchte ich aufzeigen, dass eine Geschlechterdifferenzierung und explizit körperorientierte Identitätsperspektive notwendig sind, um den weiblichen Körper als Fundament des Selbst entdecken, erleben und in das Selbstbild integrieren zu können. Nur so kann jener seelische, körperliche und im weitesten Sinne auch öffentliche Raum zurückerobert werden, der als Ausgangspunkt für eine selbst bestimmte weibliche Identität und Mutterschaft notwendig ist.

Meine Perspektive bewegt sich innerhalb einer sozialen Matrix, die die Dimensionen des Somatischen, des Psychischen und des Sozialen aufeinander bezieht . Ein Körper jenseits der Einbindung in den gesellschaftlichen und sozialen Interaktionskontext ist weder denkbar noch verstehbar.

Auch in der psychotherapeutischen Arbeit lassen sich diese drei Schwerpunkte heraus arbeiten, die sich je nach individueller Biographie und psychodynamischer Entwicklung unterschiedlich gewichten und entlang denen ich meinen Vortrag gestalte:

1. Das Selbstkonzept weiblicher Identität als Frau und Mutter im gesellschaftlichen und soziokulturellen Kontext.

2. Die Bedeutung des Körpers in der strukturierenden Funktion des Körperbildes für die psychische und libidinöse Entwicklung der Frau sowie als Ort der gefühlten biographischen Geschichte, als Ort von Entfremdung und Fremdheit und als Ort des Begehrens und der Vitalität

3. Die Bedeutung der Mutter -Tochter - Beziehung als Beziehungs - und Erfahrungsraum von Weiblichkeit und Mütterlichkeit sowie deren Reinszenierung in der Frau - Frau – Analyse.
In meinen Ausführungen werde ich entlang einer historischen Perspektive auf den Frauenkörper und den Mutterkörper aufzeigen, wie die gesellschaftlichen Geschlechterbilder sich des weiblichen Körpers bemächtigen und die Implikationen auf die weibliche Identitätsentwicklung und das weibliche Selbstverständnis diskutieren.

Welche impliziten und expliziten Vorstellungen zur Entwicklung der Geschlechtsidentität, welche Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit ( Rollenstereotype) lege ich für das Verstehen des Patienten

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